Mylasa: Eupolemos [ AM_0599 ]
Categorisation
Die properties
| Obverse | Reverse | |
|---|---|---|
| Description | drei einander überlagernde makedonische Schilde, jeweils mit einer Lanzenspitze als Schildzeichen; Perlkreis | Schwert mit Tragriemen nach rechts, Beizeichen unkenntlich, eventuell nicht vorhanden |
| Legend (edited) | - | ΕΥΠΟ-ΛΕΜΟΥ |
| Legend (plain) | - | ΕΥΠΟΛΕΜΟΥ |
References and Commentary
| Reference Literature |
B. V. Head, A Catalogue of the Greek Coins in the British Museum. Caria, Cos, Rhodes, etc., London 1897.
No.
5f.
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| Commentary | Datierung, historischer Hintergrund und Prägeort der Münzen des Eupolemos wie überhaupt dessen Person und Karriere sind im Lauf einer langen Diskussion kontrovers beurteilt worden. Die ältere britische Forschung, vertreten durch B. Wroth (1891) und B.V. Head (in BMC Caria, 1897), identifiziert Eupolemos mit einem bei Diodor (19, 68.2-5) erwähnten nachrangigen Kommandeur Kassanders 314/3 v. Chr. in Karien, wo er im Herbst 313 v. Chr. in Gefangenschaft geriet . Die Bestimmung lautet demnach: '314 v. Chr., Mylasa', letzteres aufgrund des Beizeichens der Doppelaxt, die auf das von dieser Stadt verwaltete Heiligtum des Zeus Labraundos weist, s.u.; dieser Ansatz wurde zuletzt wieder aufgegriffen von M. Thompson (1981), R. Desccat (1998) und F. Delrieux (2011). Davon abweichend hielten F. Imhoof-Blumer (1908, 260) und H. Gaebler (1935, 178) Eupolemos für einen regionalen Dynasten des Gebiets um Mylasa, da die Emission von Münzen im eigenen Namen die Kompetenzen eines nachrangigen Generals überschritten hätte. Mehrere in Karien gefundene Inschriften, worin ein Eupolemos als eigenständiger Vertragspartner auftritt bzw. hohe Ehrungen erfährt (zusammengestellt bei Billows 1989, 204 f.), veranlassten dann auch L. Robert (1936, 72f.), in Eupolemos nicht den diodorschen Strategen, sondern einen homonymen Dynasten zu sehen, der eventuell noch zu Alexanders Lebzeit in Karien einen kleinen Herrschaftsbereich erworben und bei der Gefangennahme 313 v.Chr. verloren hätte. Abweichend hiervon geht Buraselis (1983, 14 ff.) davon aus, dass der ehemalige Stratege in der Zeit nach seiner Gefangennahme, zwischen ca. 311 und 302 v. Chr., eine dynasteia innegehabt habe; allerdings ist Eupolemos ab 313 bis mindestens 304 v. Chr. bei Kassander in Griechenland bezeugt (Diod. 19.77.6 zum Jahr 313/2 v. Chr., auch in einer Athener Fluchtafel von ca. 304 v. Chr.: SEG 30, 325,2). - L. Robert bestreitet die Herkunft des Dynasten aus Karien oder gar aus Mylasa selbst - was explizit M. Rostovtzeff (1931, 23f.) vorgeschlagen hatte -, sondern erschließt aus den makedonischen Schilden eine Herkunft aus Makedonien, allerdings ohne speziellen Bezug zu Kassander; im gleichen Sinn äußert sich dann Mastrocinque (1979, 21 ff.). Diese Auffassung scheint Bestätigung zu finden durch eine Inschrift aus Iasos (I. Iasos Nr. 32 Blümel), worin der hier behandelte Eupolemos mit Patronym und Herkunft bezeichnet sein könnte: ΕΥΠΟΛΕΜΟΣ ΠΟΤΑΛΟΥ ΜΑΚΕΔΩΝ. Doch benennt eine weitere, 2008 gefundene Inschrift vom selben Ort, eine weitere, homonyme Person: ΕΥΠΟΛΕΜΟΣ Σ[Ι]ΜΑΛΟΥ (SEG 58, 1211; Fabiani 2009, 66-71, nicht in ihrem Corpus von 2015). Diese Person ist offenbar von hohem sozio-politischen Status, denn sie nimmt eine prestigiöse Weihung an die Stadtgöttin Artemis als Zehntel vermutlich aus der Beute eines militärischen Sieges vor. Diesen Eupolemos Simalou, nicht den seit längerem bekannten Eupolemos Potalou, identifiziert Fabianini mit Kassanders Strategen und dem späteren Dynasten (2009, 61-73); auch er sei wahrscheinlich ein Makedone gewesen, wie der homonyme Sohn des Potalos, bei dem es sich tatsächlich um eine andere, uns ansonsten unbekannte Person handle, die erst ins zweite Viertel des 3. Jhs gehöre. Die weitere Diskussion bleibt abzuwarten, doch hat die Frage keine Auswirkungen für die Person des Dynasten, für den auch Fabiani wie Billows und andere vom beginnenden 3. Jh. ausgehen. - Buraselis sieht in den Bildern beider Münzseiten nicht lediglich einen Bezug auf Makedonien, sondern leitet daraus die Nähe des Dynasten zu Kassander ab: die Lanzenspitze, die prominent auf dem Revers von Kassanders euböischer AE-Prägung erscheint (Gaebler 1935, S. 177 Nr. 10f., mit pl. 32, 13f.), wird als Schildzeichen auf das Avers von Eupolemos' Münzen übernommen, fehlt aber auf anderen frühhellenistischen Prägungen. Vielleicht wurde damit der Anspruch auf 'speererworbenes Land: doriktetos chora' visualisiert (Buraselis 1983, 20; Billows 1989, 200). - Einen gänzlich neuen Ansatz begründet R.A. Billows in einer detaillierten, sämtliche Quellengruppen einbeziehenden Studie (1989, zusammengefasst 1995, 90-94). Ihm gelingt der Nachweis, dass die Inschriften mit Bezug zu Eupolemos ins frühe 3. Jh. v. Chr. datieren und dessen karische dynasteia, entgegen den Auffassungen von L. Robert und K. Buraselis, erst zu dieser Zeit bestanden haben kann. Ferner beweist er, dass der nachmalige Dynast identisch ist mit Kassanders Kommandeur von 314/3 v.Chr. - die erstaunliche Seltenheit des Personnamens in Makedonien wird jetzt bestätigt durch LGPN 4 (2005): das Gros der Belege bezieht sich auf die hier behandelte Person, die ab 313 v. Chr. eine steile Karriere in der unmittelbaren Umgebung Kassanders durchlaufen hat (s.o.), am ehesten bis ins Vorfeld der Schlacht bei Ipsos (301 v.Chr.). Anschließend könnte er als vertrauter Militärexperte von Kassanders Bruder Pleistarchos fungiert haben (vgl. Kobes 1996, 92 f., 127 f.); dieser verschwindet um 295 v. Chr. aus der Überlieferung und ist vielleicht damals gestorben. Angeblich war er zu dieser Zeit Dynast in Karien, doch bleibt dies - wie Billows noch 1989, 188ff. einräumt, freilich 1995, 93 als Tatsache referiert - eine unsichere Hypothese, vgl. schon H. Schäfer (1951), in jüngerer Zeit etwa A.G. Gregory (1995, 20-28) und O. Hülden (2000, 386-391). Entsprechendes gilt für die Annahme, Eupolemos sei um 295 v. Chr. Pleistarchos als Dynast in Karien nachgefolgt. Vielleicht hat Eupolemos in Anerkennung seines Eintretens für Lysimachos und Kassander 302/1 v. Chr. bei der Neuverteilung nach Ipsos ad personam einen kleinen Herrschaftsbereich in Karien erhalten, woran er seit 314/3 v. Chr. interessiert gewesen sein dürfte, doch bleibt dies nicht minder spekulativ. - Für die Münzprägung des Eupolemos ergibt sich aus Billows Ansatz einmal mehr eine revidierte Datierung: War L. Robert von einer Phase zwischen Alexander (potentiell noch vor 323 v. Chr.) und 313 v. Chr. ausgegangen, die älteste britische Auffassung von einer punktuellen Prägung im Jahr 314/3 v. Chr. , Buraselis von der Zeit zwischen ca. 311 und 302 v. Chr., so führt die von Billow vertretene Position auf die Jahre zwischen ca. 295 und 286 (eventuell bis 280). - Die Behauptung seiner dynasteia erforderte Söldnertruppen, in einer Stärke von insgesamt geschätzten 3000-5000 Mann (Kobes 1996, 180), teils in Garnisonen, teils für militärische Unternehmen. Söldner mussten unterhalten und besoldet werden, größtenteils in auswärtigen Silbermünzen, eventuell auch in eigenen Prägungen, worunter mit M. Thompson (1981, 212-215) am ehesten in Mylasa geprägte postume Drachmen von Alexanders Reichstyp (Herakleskopf in Löwenexuvie/thronender Zeus) zu vermuten sind. Die hier besprochenen AE-Prägungen haben damit nichts zu tun. Sie waren erforderlich, um in Lagern, Garnisonen und eventuell auch in neu gegründeten Phrourarchien (für aus der militärischen Verwendung ausgeschiedene Söldner und ihre Familien) eine monetäre Infrastruktur zu schaffen, welche den Gebrauch höherwertiger Silbernominale auf Märkten erst ermöglichte - hierzu bedurfte es großer Mengen an bronzenem Wechselgeld, wofür jede Gemeinde selbst zu sorgen hatte, also auch der Dynast. Eupolemos verliert sich um 286 v. Chr. aus der Überlieferung und wird spätestens um 280 seinen Herrschaftsbereich verloren haben. Dieser Argumentation haben sich in jüngerer Zeit F. Landucci Gattinoni (2003, 77 n. 118) und R. Fabiani (2009) angeschlossen, von numismatischer Seite R. Ashton und U. Westermark als Herausgeber von SNG Keckman I (1994, Nr. 221 ff.); dagegen orientieren sich die Bearbeiter der Sammlung Karl (2006) offenbar wenig reflektiert an der alten Auffassung. Insgesamt darf aktuell die Position von Billows als status quaestionis gelten, wenngleich darin, wie dargelegt, mindestens zwei substantielle Punkte unsicher bleiben. Demnach geht die Prägung auf den karischen Dynasten Eupolemos - der zuvor Kassanders Stratege gewesen war, u.a. 314/3 v. Chr. in Karien - zurück und erfolgte nicht einmalig in 314/3 v. Chr., sondern über einen längeren Zeitraum von bis zu 10 (oder gar 15) Jahren zwischen etwa 295/4 und 286/80 v. Chr., was in der Häufigkeit der überlieferten Stücke und etlichen Varianten Bestätigung findet, vgl. Akarca (1959) S. 101f. Es handelt sich also nicht etwa um Münzen von Mylasa, wenngleich die Doppelaxt als Beizeichen einer Emissionsserie auf dieses als Prägeort des dynastischen, nicht städtischen Typs hinweist; vgl. jedoch die wohl milesische Prägung VAR_0028, ebenfalls mit einer Doppelaxt als Marke. Auch L. Robert (1936, 71 n. 5) stellt Münzen weiterer karischer Städte mit einer Doppelaxt zusammen und relativiert damit den Prägeort Mylasa; Ashton (2004, 43f.) plädiert für Kaunos, worauf (bis zu) 21 Ex. im Museum von Fethiye hinzuweisen scheinen (vgl. 1998, 47f.). Man sollte für einen dynastischen Typ vielleicht generell mit mehreren Prägeorten rechnen, zumal wenn die Emission über einen längeren Zeitraum hin erfolgt ist, vgl. Morkholm (1991, 59). Zudem beschränkt sich der Gebrauch dynastischer Münzen natürlich nicht auf ihren Prägeort: phasenweise verlegte Söldner oder benachbarte Garnisonen oder Phrourarchien können die tatsächlich beobachteten Konzentrationen an mehreren Orten erklären. Mit einem weiteren Prägeort, ausgewiesen durch ein Monogramm anstelle der Doppelaxt (AM_0598, AM_0600 und wahrscheinlich auch AM_0601), rechnet schon Gaebler (1935, 178), doch könnte es sich um Emissionen derselben Mümzstätte zu unterschiedlichen Zeiten handeln. - Umstritten sind endlich Rückschlüsse, die sich aus den Münzen für den Status von Mylasa zu ergeben scheinen. Dass es damals eine makedonische Militärkolonie gewesen sei, nimmt Launey (1947, 345) an, wogegen sich namentlich die jüngere Forschung wendet. Nach Billows (1989, 201 und 1995, 94) ergibt sich aus dem Münzbild nicht die Einrichtung einer phrourarchia (für Söldner und ihre Familien) in Mylasa, wenngleich solche Ansiedlungen in der Region durchaus möglich erscheinen. Im gleichen Sinn argumentiert Cohen (1995, 256), die makedonischen Schilde gingen auf die Person des Eupolemos zurück und besagten also nichts für ihren Prägeort. - Bemerkenswert sind Prägungen im eigenen Namen, während noch wenige Jahrzehnte zuvor der Satrap Asander in Karien auf solche verzichtet und statt dessen, wie es scheint, im Namen des Philipp III. Arrhidaios geprägt hatte, vgl. zu VAR_0028f. | |
| Commentary literature |
W. Wroth, Eupolemos, in: NC 1891, 135-139.
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