Karien [ AM_0535 ]
Kategorisierung
Materialität
Stempelmerkmale
| Vorderseite | Rückseite | |
|---|---|---|
| Beschreibung | linksgerichtete Stierprotome, rechte Hälfte der verfügbaren Fläche einnehmend | Protome eines nach links laufenden Stiers, Kopf seitlich gedreht dem Betrachter zugewandt, darüber Legende, darunter zwei Punkte (Kugeln), ein Bein schräg vorgestreckt (schwach ausgeprägt), das andere abgewinkelt |
| Legende (ediert) | - | KY |
| Legend (plain) | - | KY |
Referenzen und Kommentar
| Referenzliteratur |
K. Konuk, Coin legends in Carian, in: I.-J. Adiego (ed.), The Carian language, Leiden/Boston 2007, 471-492 und 509f.
S.
488
Nr.
M 45
(2,12 g, Diobol, auf dem Revers zwei einander zugekehrte Stierprotomen)
Sammlung Karl, Numismatik Lanz, Auktion 131: Münzen von Karien, München 2006.
Nr.
339-341
(Hemiobole, wie die vorstehenden Tetartemoria)
SNG Turkey I, The Muharrem Kayhan Collection, Istanbul/Bordeaux 2002.
Nr.
976
(2,15g: Diobol, Revers ohne Legende/Beizeichen)
SNG Turkey I, The Muharrem Kayhan Collection, Istanbul/Bordeaux 2002.
Nr.
968-970
(Vergleichbar: Tetartemorion, auf dem Avers zwei einander zugekehrte Stierprotomen)
SNG Finland, The Erkki Keckman Collection in the Skopbank, Helsinki I: Karia, Helsinki 1994.
Nr.
911-915
(Hemiobol, auf dem Revers zwei einander zugekehrte Stierprotomen)
H.A. Troxell, Carians in miniature, in: A. Houghton et al. (eds.), Festschrift für Leo Mildenberg, Wetteren 1984, 249-257, Taf. 40.
S.
255f.
Nr.
11 Taf. 40, 11B
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| Kommentar | V[X] karisch (retrograd) = KY. Auf dem Avers könnte eine zweite Stierprotome infolge schwacher Ausprägung unkenntlich sein; im fraglichen Raum links gibt es eine gegenüber dem Feld leicht erhabene flache Struktur, die in Teilen dem Umriss einer zweiten, gegenüber gestellten Stierprotome entspricht, vgl. auch das Diobol in SNG Kayhan (2002) Nr. 976. Allerdings werden jüngst im online-Handel Münzen entsprechenden Gewichts mit nur einer Stierprotome (rechts) angeboten, die aber erhaltungsbedingt keine Aussage über eine eventuell auch hier prägebedingt entfallene zweite (linke) Protome zulassen; Auf dem Revers ist oberhalb des Stierkopfs nur der erste Buchstabe lesbar, der zweite liegt großenteils im Bereich eines Stempelbruchs, doch sind bei Streiflicht Reste des folgenden X auszumachen. Bei den beiden Punkten/Kugeln zwischen den Beinen des Stiers dürfte es sich um ein Beizeichen handeln, da auf einigen Stücken an gleicher Stelle ein Stern erscheint, etwa auf Hemiobolen SNG Keckman I (1994) Nr. 913-915 und Sammlung Karl (2006) Nr. 340; Als Tetartemorion markiert die Münze die kleinste bisher bekannte Wertstufe, zum Hemiobol siehe Sammlung Karl (2006) Nr. 339-341, zum Obol SNG Kekhan (2002) Nr. 959, zum Diobol ebda Nr. 976. Höherwertige Nomiale sind bislang nicht bekannt, was auf Prägungen für einen lokalen Markt hinweist. Sie sind aufs Ganze gesehen relativ häufig und erstrecken sich nach stilistischen und technischen Merkmalen über einen längeren Zeitraum, wohl vom frühen 5. bis ins späte 4. Jh. Die hier behandelte Münze gehört tendenziell ans Ende dieses Zeitraums. Als Standard wird meist der milesische (Stater: 14.1g) angenommen, doch kommt auch der schwerere persische (Siglos: 5.5g) in Frage, vgl. zu SNG Keckman I (1994) Nr. 903ff.; in diesem Fall handelt es sich um 1/24 Statere (Soll: 0.23g) - das eigentlich persische System (Sardeis u.a.) reicht phasenweise hinab bis zu 1/48 Stateren (ca. 0.1g). Die karische Legende bezeichnet in abgekürzter Form den Emittenten, der in der zweiten Hälfte des 4. Jhs v. Chr. kein Dynast war, sondern bereits eine Polis. Frühere Zuweisungen von Münzen der Serie nach Pergamon oder Samos sind heute überholt. Konuk a.O. schlägt aufgrund der Legende die karischen Orte Kydai oder Kyblissos vor (beide bei Mylasa), doch gibt es in Karien weitere Optionen, etwa Kymnissa (bei Halikarnass), Kyllandos (küstennah östl. von Keramos) oder Kys (nordöstl. von Stratonikeia), vgl. insgesamt Barrington Atlas map 61; Eine ikonographisch verwandte Protome eines laufenden Stiers erscheint auf Kleinsilbermünzen der zweiten Hälfte des 4. Jhs v. Chr. aus Magnesia/Mäander, vgl. SNG Kayhan (2002) Nr. 400-403 ; SNG Tübingen IV (1989) Nr. 2924, ferner die AE-Nominale SNG Copenhagen Caria (1947) Nr. 802-804. Sie dürften als Modell für die hier behandelte indigen-karische Prägegruppe fungiert haben. - Zum aktuellen Stand der linguistischen Forschung zum Karischen vgl. Blümel, Piras und vor allem Adiego. | |
| Kommentarliteratur |
H.A. Troxell, Carians in miniature, in: A. Houghton et al. (eds.), Festschrift für Leo Mildenberg, Wetteren 1984, 249-257, Taf. 40.
S.
249-257 Taf. 40
K. Konuk, Coin legends in Carian, in: I.-J. Adiego (ed.), The Carian language, Leiden/Boston 2007, 471-492 und 509f.
W. Blümel, Zu Schrift und Sprache der Karer, in: F. Rumscheid (ed.), Die Karer und die anderen. Int. Koll. FU Berlin Okt. 2005, Bonn 2009, 221-227.
S.
221-227
D. Piras, Der archäologische Kontext karischer Sprachdenkmäler und seine Bedeutung für die kulturelle Identität Kariens, in: F. Rumscheid, Die Karer und die anderen. Int. Koll. FU Berlin Okt. 2005, Bonn 2009, 229-250 (besonders S. 236 mit Anm. 34).
S.
229-250, spez. 236-238 [zu Münzlegenden]
I.-X. Adiego, Las inscripciones plurilingues en Asia Menor: hacia una classficación tipológica y un análisis funcional, in: W. Eck/P. Funke/M. Heil (eds.), Öffentlichkeit-Monument-Text. XIV Congr. Int. Epigr. Graec. et Lat., Berlin 2014, 231-269 (spez. 238-244).
S.
238-244
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Verwandte Münzen
Verwandte Münzen (Vergleichbar)